Frühlingszeit ist Zeckenzeit

Kaum gehen die Temperaturen nach oben, ist auch er munter unterwegs, der gemeine Holzbock und sehnt sich nach einer Blutmahlzeit.

Im Frühjahr beginnt nicht nur die Zeit, in der die Sonne den Menschen nach draußen lockt. Auch Zecken sind jetzt wieder unterwegs. Sie warten auf Gräsern und Sträuchern auf einen Wirt, an dem sie sich nähren können. Die Spinnentiere gelangen durch Abstreifen  auf ihren Wirt. Sie fallen weder von Bäumen, noch können sie springen. Auf dem Wirt suchen die Tiere dann einige Zeit nach einer geschützten Einstichstelle, an der sie mehrere Tage unbemerkt einige Tropfen Blut saugen können.

Der Zeckenbiss ist eigentlich ein Zeckenstich

Genau genommen beißt die Zecke nicht, sondern sie sticht. Sie ritzt zunächst mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen ein winziges Loch in die Haut. Dann schiebt sie ihren Stech- und Saugrüssel (auch Hypostom genannt) in die Haut und sondert dort Speichel ab. Dieser hat eine gerinnungs- und entzündungshemmende Wirkung. Dadurch kann die Zecke das Blut ungehindert und vom Wirt weitgehend unbemerkt aufsaugen.

Wo stechen Zecken am häufigsten?

Eine geschützte Einstichstelle ist für Zecken überlebenswichtig. Aus diesem Grund suchen die Tiere mitunter eine Stunde oder länger nach einem geeigneten Ort auf der Haut. Die Wahl fällt häufig auf Hautfalten wie die Achseln, die Arm- und Kniebeuge oder schwer erreichbare Stellen wie die dünne Haut hinter den Ohren oder entlang des Haaransatzes. Auch am Hals, im Genitalbereich oder an Stellen mit enganliegender Kleidung wie an der Hüfte stechen Zecken häufig zu.

Warum ist ein Zeckenstich so gefährlich?

Wenn der Holzbock eine geschützte Stelle gefunden hat, kann er bis zu 15 Tage am Wirt hängen bleiben und sich mit Blut vollsaugen. In dieser Zeit gelangen auch Keime von der Zecke in den Blutkreislauf des Menschen

Trägt der Holzbock die Bakterienart Borrelia in seinem Körper, kann sie beim Menschen zur sogenannten Lyme-Borreliose führen, einer Infektion, die Schäden an den Gelenken, dem Nervensystem und anderen Organen verursacht. Die Diagnose ist jedoch schwierig, da Folgeschäden erst Jahre nach dem Zeckenstich sichtbar werden können.
Die Borreliose zeigt sich im Frühstadium vor allem durch grippeähnliche Symptome:

  • Wanderröte: Dabei handelt es sich um einen feinen, rötlichen Kreis oder Doppelkreis um die Einstichstelle. Dieser wird im Laufe der Zeit größer.
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit

Im späteren Verlauf der Krankheit können Gesichtslähmungen, Veränderungen der Haut, Taubheit in den Beinen, Geräuschempfindlichkeit oder Hörverlust auftreten. Neben der Borreliose kann ein Zeckenbiss auch die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hervorrufen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die ebenfalls grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Fieber zur Folge hat. Später können eine Hirnhautentzündung (Meningitis) sowie eine Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks hinzukommen.

Behandlung von Borreliose und FSME

Die Wanderröte gilt als sicheres Zeichen für eine Infektion mit Borrelien. Die Hautrötung zeigt sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Zeckenbiss und muss von einem Arzt abgeklärt werden. Durch einen Bluttest kann der Arzt die Infektion feststellen. Liegt eine Infektion vor, wird diese mit Antibiotika behandelt. Da die Antigene jedoch erst nach einigen Wochen nachweisbar sind, kann der Arzt bereits vor dem Ergebnis der Untersuchung Antibiotika verabreichen. In vielen Fällen kann der Körper die Infektion vor ihrem Ausbruch gut abwenden und auch die Antibiotikatherapie zeigt gute Erfolge. Mit steigendem Alter und Krankheitsverlauf sinken jedoch die Chancen auf eine vollständige Heilung, sodass Betroffene jahrelang unter den Spätfolgen der Borrelieninfektion leiden. Eine Impfung für den Menschen gibt es nicht.

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind die Chancen auf eine vollständige Heilung auch bei einem schweren Krankheitsverlauf groß, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Die Behandlung beschränkt sich jedoch auf die Linderung der Symptome. Mit einer Impfung kann man sich jedoch vor der Erkrankung schützen.